Das Wort „Kulturschock“ wird in Zusammenhang mit Fernreisen sehr häufig in den Mund genommen. Theoretisch können wir uns alle etwas unter dem Begriff vorstellen, aber habt ihr so einen Kulturschock schon einmal erlebt? Und wie kommt so ein Kulturschock zustande? Was kann man dagegen tun? In diesem Bericht möchte ich diese Fragen etwas durchleuchten und auch meine eigenen Erfahrungen zum Thema Kulturschock mit euch teilen.

Was ist ein Kulturschock?

Wie der Name schon sagt, ist der Kulturschock eine Art psychische Reaktion auf die Kultur eines anderen Landes, die als negativ wahrgenommen wird. Ein Kulturschock tritt meist dann auf, wenn man mit einem Land und einer Kultur in Berührung kommt, die man bisher noch nicht kennt und die sich stark von unseren Gewohnheiten unterscheiden. Deshalb treten solche Reaktionen meist bei Fernreisen nach Afrika, Asien oder Lateinamerika auf,  während bei Reisen nach Neuseeland, die USA oder viele Teile Europas weniger zu befürchten ist. Obwohl befürchten hier das falsche Wort ist, denn fürchten muss man sich vor diesem Gefühl nicht. Klar ist es nicht sonderlich angenehm, aber geht auch meist nach einiger Zeit wieder von selbst weg. Die Reaktionen unserer Psyche sind ja auch irgendwie verständlich, oder? Wir sind in einem fremden Land und werden plötzlich mit Sitten, Gewohnheiten und Lebensverhältnissen konfrontiert, die wir so aus unserem Alltag nicht kennen. Das überfordert uns im ersten Moment, weil wir unser eigenes Denken und Handeln ändern müssen und uns den Gegebenheiten anpassen müssen. Das dauert seine Zeit.

Wie lange dauert ein Kulturschock? 

Wie lange so ein Kulturschock andauert ist bei jedem total unterschiedlich und auch die Phasen, die man dabei durchläuft können variieren. Generell sagt man, dass man etwa fünf Phasen bei einem Kulturschock durchläuft. Zu Beginn ist man euphorisch, dann erfolgt die Ernüchterung und die Konfrontation mit der Realität. Durch diese Konfrontation befindet man sich dann in der schlimmsten Phase, dem total Kulturschock. Danach geht es aber schon wieder bergauf, es folgt die Akzeptanz und Anpassung und ganz oft sogar die große Liebe zu einem Land und einer Kultur, wenn man sich darauf einlässt.

Übrigens reden wir hier immer nur von einem Kulturschock, wenn wir in ein fremdes Land gehen. Es gibt allerdings auch den Kulturschock, wenn wir nach langer Reise wieder in unsere Heimat zurückkehren. Denn nach einem langen Aufenthalt im Ausland gewöhnt man sich an die Gegebenheiten dort und das Zuhause wird fremd. Ich habe das selbst erlebt und es hat sehr lange gedauert, bis ich mich zuhause wieder eingefunden habe.
Manchmal dauert der Kulturschock in der Heimat sogar so lange, dass sich daraus eine Art Reiserückkehrdepression entwickelt.
Meine Erfahrungen dazu könnt ihr hier nachlesen: Reiserückkehr-Depression 

Symptome eines Kulturschocks

 Wenn man unter einem Kulturschock leidet dann fühlt man sich unwohl, fremd, man ist verunsichert und nicht so motiviert etwas zu unternehmen und zu erleben. Man hat oft eine Art Fluchtreflex in sich und würde am liebsten auf der Stelle umdrehen und weglaufen. Diese Phase am Anfang ist die Schlimmste. Man fühlt sich ohnmächtig und total unwohl in seiner Haut,. Oft projiziert man dieses Gefühl dann auch auf das Land, in dem man sich befindet, lehnt alles ab, was einem dort begegnet und ist vielleicht sogar etwas feindselig.
Hinzu kommen:

  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Frustration
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • schlechte Stimmung,
  • Heimweh
  • typische Stressreaktionen wie Kopfweh, Schwindel etc.

 

Tipps, um den Kulturschock zu überwinden

Ein Allheilmittel dafür gibt es leider nicht, denn: Die Reaktionen unseres Körpers auf die veränderte Umgebung ist normal und sollte nicht unterdrückt werden. Trotzdem kann man natürlich mit ein paar, vor allem mentalen Tricks, etwas dagegenwirken.

Sich langsam für die neue Kultur öffnen und sich nicht total verschließen.
Probiere einheimisches Essen, versuche mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, recherchiere über die Kultur und Gegebenheiten. Du wirst merken mit der Zeit wirkt alles gar nicht mehr so fremd.

Ein paar Worte in der fremden Sprache lernen
Es gibt uns Sicherheit, wenn wir uns verständigen können und vielleicht auch das ein oder andere Wort verstehen, dass in unserem Umgebung geredet wird. Lerne ein paar grundlegende Vokabeln und du wirst sehen, dass sich dadurch dein Gefühl verändert.

Gönne dir Auszeiten
Lasse dich auf die Kultur ein, wie in den ersten beiden Punkten beschrieben, aber gönne dir immer wieder Auszeiten für dich, um das Erlebte zu verarbeiten und einzuordnen.

Tausche dich mit anderen Reisenden und Freunden aus
Fast jeder der gerne reist, hat schon mal einen Kulturschock erlebt. Tausche dich mit anderen Reisenden oder mit Vertrauten zuhause darüber aus, wie es dir geht. Das ist keine Schande und es hilft zu sehen, dass man mit den Erfahrungen nicht alleine ist. Eventuell hilft es dir auch deine Erlebnisse und Gefühle aufzuschreiben.

Nehme an kulturellen Aktivitäten teil
Auch wenn es dich auf den ersten Blick nicht anspricht, du einen anderen Glauben und andere Werte hast. Es hilft in die Kultur des Landes einzutauchen. Man muss diese ja nicht leben und unterstützen, aber akzeptieren und verstehen hilft schon sehr viel.

Meine Erfahrungen mit Kulturschock

Neben meinem oben genannten Kulturschock andersherum, als ich von meiner Langzeitreise zurückgekehrt bin, habe ich noch zweimal einen merklichen Kulturschock erlitten.
Zum einen war das in Asien, Colombo/Sri Lanka. Wie es mir da erging könnt ihr hier nachlesen: Kulturschock in Sri Lanka 

Meinen ersten Kulturschock hatte ich bei meiner ersten Backpacking Reise nach Kolumbien. Mehr dazu: Meine erste Backpacking Reise.

Ich hatte mich total auf die Zeit dort und in der Stadt Cartagena gefreut. Aber als wir dort ankamen, in einem Hostel, in dem die Menschen sehr freundlich waren, aber der Wasserhahn fast abflog im Bad, die Räume extrem dunkel waren, die Sofas im Aufenthaltsraum abgewetzt und nicht gerade sauber, da war das schon sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Und als wir dann auf den Straßen unterwegs waren, um uns eine kleine Stärkung zu gönnen und es so schwierig war, etwas vegetarisches zu finden, alles nur auf Spanisch geschrieben war und ich mit meinem Englisch überhaupt nicht weiterkam, war es einfach zu viel für mich.

Ich saß in einem Bistro und mir liefen die Tränen in Strömen über die Wangen. Ich habe nicht geweint im herkömmlichen Sinne, habe sogar ganz normal mit meiner Schwester geredet aber ich konnte mich trotzdem nicht beruhigen, die Tränen flossen nur so herunter. Mit der ganzen Situation war ich total überfordert, es war alles so neu für mich. Von Tag zu Tag konnte ich mich aber immer mehr auf die Situation einlassen und heute ist die Stadt Cartagena für mich eine der schönsten Städte der Welt, weil ich so viele Erfahrungen, Erlebnisse, Erkenntnisse und schöne Stunden mit ihr verbinde. Man muss einfach nur sein Herz etwas dafür öffnen.

Eure Nele

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