Reiserückkehr Depression: Wenn „Zuhause“ zum Kulturschock wird

Depressive Verstimmungen, Traurigkeit und Kulturschock nach einer Langzeitreise. Nach vielen Monaten auf Reisen nach Hause zu kommen ist nicht leicht. Manchmal ist es sogar schwerer als den Schritt in die große weite Welt zu wagen. Zuhause sollte eigentlich Gewohnheit und Alltag sein aber irgendwie ist alles gleich und trotzdem nichts mehr, wie es war. Die Welt hat sich gedreht, für dich aber irgendwie ist sie Zuhause doch auch stehen geblieben. Du fühlst dich geborgen in der Gewohnheit und gleichzeitig allein mit deinen Sehnsüchten und Erinnerungen.

Kulturschock und Depression: Alles ist anders und doch so gleich

Dinge die früher normal waren, sind nicht mehr normal. Ich befinde mich jetzt wieder in einer anderen Welt. Wenn ich den Wasserhahn aufdrehe, um daraus zu trinken, merke ich wie ich zögere. Innerlich arbeitet mein Gehirn und sagt mir: „Du bist jetzt in Europa, du darfst wieder aus der Leitung trinken.“ Lange war das nicht möglich, selbst zum Kochen mussten wir uns teilweise auf die Suche nach Trinkwasser machen.

Das Beantworten von Nachrichten meiner Freunde fällt mir Anfangs noch schwer. Ich  freue mich total darauf Sie wieder zu sehen aber irgendwie bin ich innerlich noch nicht bereit, den Schritt in den Alltag wieder zu gehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, sobald ich das alles hier wieder zulasse, rückt meine  Reise immer mehr in die Vergangenheit. Ich brauche noch Zeit für mich. Dass das Schwachsinn ist, weiß ich natürlich selbst. Aber die Umstellung braucht Zeit. Und diese Zeit muss man sich auch nehmen. Wenn ich doch einmal eine Nachricht schreibe, merke ich, wie ich die Zeit zurückrechne. Innerlich frage ich mich: „Wie viel Uhr ist jetzt in Deutschland? Wann wird die Nachricht gelesen?“ Nur dass ich jetzt in keiner anderen Zeitzone mehr bin, auf keinem anderen Kontinent sondern wieder in Deutschland. Hier spielen Zeitverschiebungen keine Rolle mehr.

Wenn ich merke, dass der Akku meines Handys leer ist und ich will den Akku aufladen, suche ich erst nach dem Adapter. Das war  Alltag, das war normal. Jetzt brauche ich das nicht mehr. Und trotzdem sind meine Bewegungen noch darauf programmiert.

Seit ich wieder in Deutschland bin, das sind jetzt 6 Tage, habe ich keine Nacht durchgeschlafen. Stundenlang liege ich wach, teils aufgrund Jetlag, teilweise weil zu viele Gedanken in meinem Kopf schwirren.

Langsam wird das anfängliche schwere Gefühl in meiner Brust etwas leichter. Nächste Woche werde ich mit langsamen Schritten in die Realität zurückkehren und mich mit einem Teil meiner engsten Freunde treffen.

Reisen verändert

Trotzdem merke ich jetzt schon was eigentlich von Anfang an klar war: Diese Reise hat etwas verändert, hat mich verändert. Mein Lebensinhalt ist ein ganz anderer geworden. Mein Fokus liegt weiterhin darauf mein Leben zu genießen, mich mit Dingen und Menschen zu umgeben, die mich glücklich machen. Ich möchte auch dieses Jahr so viel wie möglich sehen und erleben, auch wenn es nur Kurztrips über das Wochenende sind. Während ich früher vor Langeweile fast gestorben bin, wenn nichts los war, habe ich heute tausende Ideen im Kopf, die nur darauf warten umgesetzt zu werden. Die Tage sind mir teilweise zu kurz, obwohl ich nicht mal wieder arbeite. Ich bin bei mir selber angekommen, weiß genau was ich will. Jetzt geht es an die Umsetzung.. Geduld war noch nie meine Stärke 🙂

Es ist schon verrückt, wie schnell man sich umstellt. Wir haben immer vor neuen Situationen Angst, haben Angst uns zu verändern. Aber jede Veränderung wird irgendwann zur Normalität. Auch wenn es nach so einer Reise schwer ist, wieder im Hier und Jetzt anzukommen ist es auch ein beruhigendes Gefühl zu wissen: Egal was das Leben für dich bereit hält, du bist in der Lage dich auf jede Veränderung einzustellen. Es braucht manchmal einfach nur etwas Zeit. <3

 

Eure Nele

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Myriam sagt:

    Liebe Nele,

    spannend, wie es dir zurück in Deutschland ergeht! Ich fürchte mich ehrlicherweise ein wenig vor dem Nachhausekommen (nach einem halben Jahr Südamerika komme ich in vier Wochen wieder nach Berlin), vor allem davor, dass irgendwie alles gleich geblieben ist. Gleichzeitig freue ich mich auf vieles (Schwarzbrot!!!) – und ich habe den gleichen Beschluss gefasst wie du, nämlich viel mehr zu reisen und zu erleben in diesem Jahr.

    Ich hoffe, das gelingt!
    Liebe Grüße,
    Myriam

    1. neleworld sagt:

      Liebe Myriam, ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass es dir gelingt. Ja es ist nicht leicht wieder heimzukommen aber wie du schon sagst, gibt es natürlich auch Dinge, auf die man sich dann wieder freuen kann 🙂 Genieße die letzten Wochen.

      Liebe Grüße nach Südamerika
      Nele

  2. Jens Gebhardt sagt:

    Hi Nele, das klingt schon sehr spannend und sehr emotional aber ich bin sicher Du wirst über kurz oder lang wieder unterwegs sein. Es klingt wirklich nach einer inneren Veränderung oder Verschiebung der jahrelang trainierten Lebensmuster. Ich hoffe bald weitere spannende Reiseabenteuer und persönliche Eindrücke und Erfahrungen zu lesen.
    Bis bald,
    LG
    Jens

  3. travelingbymax sagt:

    Das sind wirklich interessante Eindrücke und Gefühle, die du uns da überbringst.
    Vor allem, da ich solch eine Weltreise in Zukunft auch in Betracht ziehe habe ich dir das Jahr mit viel Freude gefolgt und freue mich selbstverständlich auch auf deine kommenden Wochenendtrips, die ich selbst gewohnt bin.
    In dem Sinne:
    Schönen Tag noch
    Liebe Grüße,
    Max

    1. neleworld sagt:

      Lieber Max es freut mich sehr, dass du meinen Eintrag gelesen hast.😁 Weltreise klingt toll ich würde sofort wieder gehen aber Kurztrips sind auch klasse 😁 LG Nele

  4. Dann willkommen zurück und gönn dir auch den Spaß, nach den kleinen Unterschieden zu suchen. Menschen benehmen sich unterschiedlich hier und dort. Vieles fällt einem erst auf, wenn man eigentlich überhaupt nicht mehr darauf achtet. Mit Sicherheit gibt es auch für dich noch die ein oder andere Überraschung 😉

    1. neleworld sagt:

      Danke dir😁 Da bin ich schon gespannt

  5. Tina Pumuckl sagt:

    Schöne Worte, liebe Nele.
    Es ist schön zu hören, dass du der Zukunft doch wieder etwas positiver (v.a. mit ganz vielen Ideen) entgegen blickst, auch wenn dieser Eintrag einen merklich melancholischen Touch hat.

    Bei mir ging es mit dem Jetlag genau andersrum: Ich bin die ersten Tage immer um 19 Uhr schon komplett weggeknackt und hab auch so über den Tag hinweg fast nur geschlafen.

    Lass dir auf jeden Fall genug Zeit mit dem wieder Eingewöhnen, aber bleib so lebens- und abenteuerlustig wie ich dich kennengelernt hab. 😘😊🙃

    1. neleworld sagt:

      Danke meine Liebe. Ja das hast du schon richtig erkannt mit der Melancholie aber Ziele für die Zukunft gibt es auf jeden Fall genug😊😘

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