Trauer: Wenn du deine Augen für immer schließt…

Einen geliebten Menschen durch den Tod zu verlieren ist das Schlimmste, was dir im Leben passieren kann. Du fühlst dich leer und stellst dir die Frage: Warum ausgerechnet ich? Leider wurde ich schon früh mit dem Thema Tod konfrontiert. Ich habe keinen Vater mehr, keine Großeltern und musste eine Kindergarten- und eine Schulfreundin gehen lassen. Der Tod macht etwas mit uns. Er zieht uns in ein Loch, reist uns den Boden unter den Füßen weg, macht uns machtlos und klein. Aber er rüttelt uns auch wach und macht uns bewusst, dass das Leben kurz ist und wir jede Sekunde genießen müssen. Jeder geht mit so einer Phase anders um und jeder braucht in so einer Situation andere Dinge. Trotzdem merke ich ganz oft, dass viele Menschen überfordert sind, wenn sie jemandem begegnen, der gerade trauert.

Wie gehe ich mit Menschen um, die gerade in Trauer sind

Wie gesagt. Jeder Mensch ist unterschiedlich. Manche Menschen möchten darüber reden und die Anteilnahme der anderen spüren, andere wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ich war nach dem Tod meines Vaters eine Woche Zuhause bevor ich wieder zur Arbeit ging. Es war ein schwerer Gang, die vielen mitleidigen Gesichter und die Anteilnahme waren kaum zu ertragen. Aber noch schlimmer war die Situation, in der ein Arbeitskollege in der Pause herein kam, mich ansah und einfach nichts sagte, so, als sei nie etwas gewesen. Er meinte es sicherlich nur gut aber für mich war es in der Situation sehr schlimm, denn es war nichts wie zuvor. Alles hatte sich verändert. Daher mein Rat aus eigener Erfahrung: „Mein Beileid“ ist eine Floskel, die nur die wenigsten in so einer Situation hören wollen wollen. Ignoriert nicht, was passiert ist, aber bedrängt auch niemanden. Signalisiert einmal deutlich, dass ihr jederzeit da seid, wenn ihr gebraucht werdet und lasst der Person dann die Zeit, die sie braucht. Gegebenenfalls kann man sich nach einem paar Wochen wieder melden aber auf jeden Fall sollte man dem Trauernden die Zeit lassen, die er/sie braucht.

Wie trauere ich richtig

Ist es falsch, nicht ans Grab und in die Kirche zu gehen? Ich tue es nicht, weil ich auch so an die Menschen denken kann, die mir wichtig sind. Ich mag es nicht an Allerheiligen am Grab zu stehen, wenn da noch 100 andere Menschen sind. Und auch sonst habe ich nicbt das Verlangen, das Grab zu besuchen, weil es viele andere Orte gibt, mit denen gemeinsame Erinnerungen verbunden sind und ich an den Menschen denken kann.

Gibt es bei der Trauer ein richtig oder falsch? Ganz klar Nein. Jeder hat seine Art mit Trauer umzugehen. Mir wurde zum Beispiel damals geraten, meinen Vater aufgebahrt nochmals anzusehen. Ich wollte nicht aber letztlich ließ ich mich doch davon überzeugen. Es war eine falsche Entscheidung, dieser leblose Anblick war zu viel für mich, anderen Betroffenen hilft es vielleicht. Lasst jeden so trauern, wie er es für richtig hält. Aber irgendwann muss dann die Zeit kommen, in der man wieder nach Vorne schaut und aus seinem eigenen Leben das beste macht. Damit man am Ende auf sein Leben zurückblicken und sagen kann: Ich habe mein Leben geliebt und gelebt – jeden einzelnen Tag.

Nele💛

 

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Steffi sagt:

    Liebe Nele,

    sehr schön zusammengefasst und beschrieben. Ich denke, dass du mit deinem Beitrag vielen Menschen aus der Seele sprichst. Mir geht es so!

    Alles Liebe
    Steffi

    1. neleworld sagt:

      Danke für deine lieben Worte Steffi <3

  2. Nabesefa sagt:

    Liebe Nele,
    danke Dir für diesen wertvollen Beitrag.

    Jeder sollte so trauern dürfen wie er es für richtig hält.
    2013 verlor ich meinen Onkel und aß beim Leichenschmaus…keinen Bissen, trank nur etwas Wasser. Ich kann nicht verstehen, wie man da ans Essen denken kann, auch wenn es extra dafür gemacht wurde.. Aber ich muss akzeptieren, dass jeder Mensch anders ist und das habe ich auch.

    Ich selbst habe letztes Jahr, Mitte März, auch meinen Opa verloren 🙁 . Meine Oma lebt zum Glück noch. Sie wohnt in Berlin, leider nicht gleich um die Ecke, doch durch meine Eltern habe ich nie den Kontakt zu ihnen verloren. Ich liebe sie sehr, auch wenn ich das vielleciht nicht immer zeige, weil ich mich nicht immer melde, doch sie sind mir sehr wichtig. Als Opa im Sterben lag 🙁 sagte man mir, ich solle nicht fahren, behalte ihn in Erinnerung wie Du ihn kanntest.. Doch was für ein Quatsch. Denn das ist deren, aber nicht meine Aussage. Abschließen heißt das Wort und ich bestimme wie und wann ich mit den im Sterben liegenden Menschen abschließen kann und will. Meine Schwester schrieb mit meinem Cousin und er meinte genauso es ist Quatsch. Ein Glück teilte mir das meine Schwester mit und wir fuhren gemeinsam den übernächsten Tag, ich nach meiner Nachtschicht, im Zug nach Berlin.
    Als wir dort angekommen waren, holte uns unser Cousin ab und wir fuhren gemeinsam ins Krankenhaus. Im Auto lief ein bestimmtes Lied..welches ich nicht mehr hören kann, seit dem Tag , bevor unser Opa 1 Tag nach unserer Ankunft von uns ging 🙁 . Als wenn er auf UNS gewartet hätte. Er bekam Morphium, weshalb er leider nicht mehr ansprechbar war, doch bin ich sehr dankbar, ihn noch ein letztes Mal wieder gesehen zu haben <3 .
    Und dabei tut es mir sehr Leid, mein Verlobter und ich waren davor das Jahr im NOvember auf der Rückreise vom Urlaub und machten bei ihnen nur kurz Rast. Normalerweise bleibe ich jährlich einpaar Tage im Sommerurlaub bei ihnen, doch war das in dem Jahr, vorletztes Jahr, nicht der Fall 🙁 . Ich hasse mich, uns dafür . Ich will , schmerzlich, ehrlich sein. Wir wollten im Sommer hoch zur Ostsee fahren und ich wollte eigentlich bei meinen Oma und Opa auch einen Abstecher machen, was wir, ich glaube, leider da nicht taten, weil ich mich einlullen lassen habe…
    Das Leben ist sehr wertvoll und kostbar, das dürfen wir niemals vergessen. Danke Dir dafür.
    Oma und Opa hängen hier in unserer Wohnung im Bilderrahmen über der Tür, sodass ich sie immer bei mir, uns habe.

    Warum schreibe ich Dir das alles? Ich habe soweit abgeschlossen und kann leider mit Opas und Onkels Gehen umgehen, auch wenn es trotzdem nicht so leicht fällt.

    <3 lg Nabesefa , Michelle Danke

    1. neleworld sagt:

      Wow vielen Dank Michelle dass du so offen über deine Gefühle sprichst. Man kann Dinge, die geschehen sind oder man versäumt hat nicht mehr ändern, aber meist hat es einen Sinn, dass es gekommen ist, wie es war. 🌷🌷 Drücker Nele

      1. Nabesefa sagt:

        Ja, ich denke mir auch, liebe Nele, „Wer weiß, wofür es gut war.“ Aber hierbei muss ich sagen, passt es nicht, finde ich ;/ Aber danke, dass Du anderer Ansicht bist 🙂 lg

  3. Reinhard sagt:

    Liebe Nele,
    auch das ein interessanter Beitrag von Dir. Hat zwar nicht mit Deinen Unternehmungen zu tun, aber spricht für Deinen Weitblick. Ich bewundere Deine Ausdrucksweise oder besser gesagt Deinen Schreibstil. Mach weiter so! Alles Gute und herzliche Grüße, Reinhard.

    1. neleworld sagt:

      Lieber Reinhard, danke für deinen Kommentar es freut mich sehr, dass dir meine Art zu schreiben gefällt 😊 Schönen Samstag dir. Nele

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