Musik vom Hochrhein : Interview mit Sameday Records

Jeder Mensch hat etwas, dass ihn antreibt. Etwas, für das er bereit ist viel zu geben. Mich faszinieren Menschen, die Ihre Träume leben, auch wenn es nicht immer einfach ist. Als ich die Band Sameday Records das erste mal live gehört habe, bei einem Hautnahkonzert in meiner Heimat, war es nicht nur Musik und die beeindruckenden Stimmen, die es mir angetan haben. Es war die Art und Weise, wie Sie da auf der Bühne standen. Man merkt Ihnen bei jedem Konzert an, dass Sie das, was Sie tun aus Leidenschaft machen und dass der Spaß an der Musik im Vordergrund steht. Aus diesem Grund möchte ich euch die Band vorstellen. Die Musik begeistert mich, die Menschen dahinter sind sehr sympathisch und vor allem sind es drei junge Männer vom Hochrhein, die Ihrer Leidenschaft gefolgt sind und dafür nun belohnt werden.
Sameday Records das sind Daniele (27), Patrick (28) und Severin (28). Als ich mich letzte Woche Donnerstag auf den Weg gemacht habe, sie für ein Interview zu treffen, war ich schon etwas nervös. Aber kaum hatte ich einen Fuß in den Raum gesetzt, in dem wir uns getroffen haben, war die Anspannung verflogen. Ich wurde von allen total herzlich begrüßt und schnell wurde aus der Interviewsituation für mich gefühlt ein Gespräch mit Freunden, bei dem es neben der Bandgeschichte und persönlichen Erfahrungen vor allem auch um das Thema ging, was mich hier auf meinen Blog am meisten beschäftigt: Selbstverwirklichung.

Wie alles begann

Patrick und Daniele kennen sich aus der Realschulzeit. Beide haben damals zusammen in einer Schulband gespielt und dort erste musikalische Erfahrungen gesammelt. Nach der Schulzeit gingen sie für einige Zeit getrennte Wege und Patrick lernte Severin kennen, mit dem er für einige Zeit in einer rockigeren Band spielte. „Das hat Spaß gemacht aber war langfristig nicht so unser Ding,“ sagt Severin heute. Auch danach ging jeder erst einmal seinen Weg, bis man sich irgendwann zu einem Tonstudioprojekt zusammen schloss. Die drei begannen damit, sich selbst und Ihre Musik aufzunehmen und diese Videos auf YouTube hochzuladen. „Das hat sich regional irgendwie ziemlich schnell herum gesprochen.“

Den ersten gemeinsamen Auftritt hatten Sie dann bei einem Oktoberfest in Niederhof, ein kleiner Ort in der Heimatregion. Sameday Records machen Akustikmusik, nicht gerade die passende Musik für ein Oktoberfest im Festzelt. Trotzdem wagten sie den Schritt und gingen dort auf die Bühne. Wenn Sie von diesem Auftritt erzählen, dann spürt man heute noch bei jedem von ihnen eine Faszination für das, was an diesem Abend passiert ist. „Irgendwie waren die Zuschauer total fasziniert von drei Männern mit zwei Holzgitarren, einer Holzkiste(Cajon) und mehrstimmigen Gesang. Wir haben es geschafft, das Bierfest in ein Konzert zu verwandeln. Die Veranstalter kamen danach zu uns und meinten, dass Sie in der letzten Stunde gar kein Bier mehr verkauft hätten, weil die Leute so fasziniert waren und nur nach vorne geguckt haben. So ein Bierfestzelt in ein Konzert zu verwandeln ist schon ein Phänomen.“

Als die drei am Tag darauf den Abend Revue passieren lassen, ist ihnen klar : „Hey das war voll der krasse Moment, wir sollten eine Band gründen.“ . Sie hatten das Glück, dass im Publikum der Kulturchef von Bad Säckingen saß, der auch so begeistert war, dass er nur zwei Monate später ein Konzert der Band im Kursaal der Stadt veranstalten wollte. In diesen Saal passen 600 Menschen! Für das erste Konzert eine ziemlich große Location. Aber der Glaube an sich selbst wurde belohnt, das Konzert war ausverkauft. Das war der Startschuss im Jahr 2011.

„ Jährlich kamen dann neue Highlighs dazu. Musik macht man ein Leben lang, da kann man nicht auf einmal sagen: ‚Komm wir machen jetzt eine Band.‘ Da steckt jahrelange Arbeit dahinter.  Irgendwann hat man dann schon gemerkt, dass man in eine professionelle Schiene rein rutschen könnte. Wenn man dann die Erfahrung macht, im ersten Jahr die Hallen zu füllen, dann arbeitet man immer härter an sich, das motiviert.“

Was sind denn die schönsten Erlebnisse? „  Es ist ein krasser Momente, wenn Leute weinen, wenn man singt.“

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The Voice of Germany

2015 dann ein weiterer Meilestein für die Band. Daniele meldet sie bei „The Voice of Germany“ an.

Daniele: „Irgendwann nachts habe ich gelesen, dass man sich jetzt auch als Trio bewerben kann und habe uns spontan angemeldet. Nur kurze Zeit später wurde Andreas Bourani als Couch bestätigt. Es hat alles gepasst.“ Andreas Bourani durften sie bei einem Konzert am Hochrhein bereits kurz kennen lernen.  Sameday Records schafft es im Team Andreas bis in die Battles.  Waren sie über das Ausscheiden enttäuscht? „Als Duo oder Trio hast du einfach keine Chance. Enttäuscht wären wir gewesen, wenn wir nicht ausgestrahlt worden wären und uns nicht präsentieren hätten können mit der Musik, die wir machen. Was uns leichter gemacht hat zu gehen war, dass Andreas Bourani im TV gesagt hat, wenn ihr zu mir kommt, dann nehme ich euch mit auf Tour. Er war einer der angesagtesten deutschen Acts zu diesem Zeitpunkt. Das war ein Lottogewinn.“ Und er hat sein Versprechen eingelöst, Sameday Records durften zwei Konzerte von ihm eröffnen.

Haben die drei Musiker noch ein zweites Standbein?

Ja. Das sei auch notwendig sagen Sie, da du Musik weiterhin im Vordergrund stehen soll. Severin und Patrick gegen nebenher Gitarrenunterricht, Daniele studiert auf Lehramt. Er erklärt: „Ein zweites Standbein braucht man noch, weil spielen kann man meist nur Donnerstag bis Sonntag. Du kannst nur Leute begeistern, wenn du selbst deine Freude daran hast. Wenn es ein MUSS wird, weil du damit Geld verdienen musst, merken das die Leute. Wir wollen uns da ein bisschen raus nehmen, dass die Band weiterhin unser Baby bleibt, dass wir machen, was uns Spaß macht.“

„Durch das Unterrichten sind wir sehr flexibel, wir können uns das so einteilen, wie wir es brauchen,“ erklärt Patrick und Severin fügt hinzu: „Das Schwierige ist der mentale Twist. Einen anderen Job zu machen, wenn man dann von einem Bereich im den anderen muss ist ganz schwierig. Für Musik muss man frei sein, man muss eine freie, reine Seele haben und sich locker fühlen.“

Auszug eines Konzertes von Sameday Records

Wenn das mit der Band nicht geklappt hätte, jeder hätte trotzdem Musik gemacht , davon sind sie überzeugt. „ Musik macht man in erster Linie nicht für die Leute . Uns macht ein gutes Konzert am meisten Spaß und wenn sich dann noch der Spaß überträgt, dann ist das super. Man schreibt keine Songs, um damit den Leuten zu gefallen. Ein Maler malt auch kein Bild, bei dem er darüber nachdenkt, welche Farben die Leute begeistern könnten. Er will selbst zufrieden sein. Langfristig kann man nicht dem Ansatz haben, dass man es für die Leute macht. Zum Beispiel beim Album, du investiert so viel und dann interessiert keinen dein Album das macht dich kaputt. Wenn du es für dich machst und selbst Spaß daran hast es zu hören, dann kann es sein dass du keine CDS verkaufst, klar ärgert es dich dann, aber du bist zufrieden mit dem Ergebnis, weil du es gemacht hast, wie du es wolltest. Die besten Konzerte sind die, bei denen wir zu dritt auf die Bühne gehen als Kumpels und Spaß haben.“

„On my Own“: Jeder Mensch muss seinen Weg gehen

“ Durch getroffene Entscheidungen geben wir unserem Leben eine Richtung. Trotz Freunden und Familie an unserer Seite, muss jeder seinen Weg schlussendlich alleine gehen und sich selbst treu bleiben. Darum geht es in ‚On my own‘. Wir haben uns für die Musik entschieden.“ Mit diesen Worten kündigt die Band auf ihren sozialen Netzwerken, den Videodreh zur neuen Single ‚On my own‘ an. „Jeder Song hat etwas mit uns zu tun, nicht unbedingt autobiographisch aber Dinge, die uns beschäftigen.“

Auch sie haben schon die Erfahrung gemacht, dass man sich oft nur auf sich selbst verlassen kann. “ Es haben einige zu uns gesagt, es ist voll cool, was ihr macht, aber vielleicht solltet ihr doch noch ein Schlagzeug nehmen oder eine Backgroundtänzerin. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Mehrstimmige, dass wir machen und diese Akustik cool finden und daran glauben wir auch. Klar haben wir einen Spielplatz, bei dem trotzdem ab und zu eine E-Gitarre oder so dazu kommt, aber wir sind uns immer treu geblieben. Es geht darum, sein eigenes Ding durchzuziehen, darin geht es in dem Song. Von allen Seiten kommen Ratschläge, macht den Song poppigen oder macht auf keinen Fall ein Coversong. Dann hört man von einer anderen Seite ; Wollt ihr nicht mit „Friday Ihm in love“ den ersten viralen Hit landen.‘ Es dreht sich im Kreis, jeder redet auf dich ein. Irgendwann kommt man dann an den Punkt wo man denkt: ‚Mensch hat der Recht, der hat doch Ahnung..?‘ Irgendwann sagst du dir dann:‘ Ist mir egal. Wir machen das so, wie wir uns das vorstellen.“

Auch bei der Veröffentlichung Ihres Albums „Never Ending“ haben Sie solche Erfahrungen gemacht.
„ Am Anfang holst du dir Ratschläge und bist offen dafür. Aber dann widersprechen sich zwei Leute, die beide im Business sind, der eine sagt so und der andere so und du sitzt dazwischen und das zerrt so an den Kräften. Irgendwann wussten wir auch nicht mehr was richtig ist . Man merkt dann, dass alles nichts bringt und du die Entscheidung selbst treffen muss. Das heißt nicht, dass wir stur sind, wir hören uns die Vorschläge gerne an. Wir wollen uns jeden Tag verbessern.“

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Das Thema Selbstverwirklichung beschäftigt so viele Menschen. Jeder will etwas haben, auf das er am Ende seines Lebens zurück blicken kann.
Auch Sameday Records wissen das, teilweise aus eigenen Erfahrungen oder aus Lebensgeschichten, die an Sie herangetragen wurden. „ Uns allen geht es gut, niemand muss verhungern, aber trotzdem merkt man jeder will individuell sein. Viele Menschen belügen sich nach außen hin, man merkt Ihre Sehnsucht, etwas Eigenes zu machen. Uns imponieren Leute, die von etwas begeistert sind, weil SIE begeistert sind und nicht weil sie anderen zeigen wollen, dass sie cool sind. Es gibt viele Menschen, die zwar alles haben, aber nicht glücklich sind. Menschen stellen sich die Frage: ‚Wo kann ich meine Spuren hinterlassen?‘ Der Wunsch nach Selbstverwirklichung brennt in vielen Menschen, aber nur die wenigsten trauen sich diesen Schritt zu gehen. Klar wollen die meisten mal ein Haus haben, Kinder, Familie und haben diese ‚Standardträume‘. Aber um das zu erreichen, musst du erst einmal etwas wagen. Es muss dir wirklich egal sein, was andere Leute sagen und denken. Sich selbst in 40 Jahren die Frage stellen zu müssen: ‚Was wäre wenn…‘ ist das Schlimmste. Wir würden uns immer wieder dafür entscheiden glücklich zu sein, statt 1000 Euro im Monat mehr zu verdienen.“
Klar sind solche Entscheidung nicht immer leicht, aber meistens lohnt es sich etwas zu wagen. „Wenn wir es schaffen mit unserem Ding anderen Mut zu machen auch ihren Weg durchzuziehen, ist das ein großes Geschenk,“ sagt Patrick und spielt damit auf unsere letzte Begegnung vor meiner Reise an. Mich persönlich haben Sameday Records damals durch Ihren Weg, Ihre Songs und Ihren Zuspruch nochmal darin bestätigt, meinen Weg zu gehen.

Die Zukunft von Sameday Records

Was mich und ich denke auch alle Fans brennend interessiert, ist natürlich die Frage, wie es weiter geht. Was sind die weiteren Ziele? „Das ist eine Never Ending Story,“ antworten Sie mir daraufhin, passend zu einem gleichnamigen Song der Band. Es werde an neuen Songs geschrieben, es sei eine Inseltour in Norderney geplant und natürlich weitere Konzerte. Ein großes Projekt, über das die Band aktuell noch nicht sprechen kann, steht auch in der Pipeline. Dabei würde es um einen Support für einen Act gehen, der nicht aus Deutschland kommt. Wie dürfen also gespannt sein und uns auf das freuen, was kommt.
Oder wie Sameday Records es zum Schluss schön gesagt hat : „Wir glauben so hart an die Musik, die wir machen. Es wäre schade, wenn wir nicht alles versuchen würden, dass es ganz ganz viele Leute hören.“

 

Sameday Records Homepage

Sameday Records Facebook

Sameday Records Twitter

 

 

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