Abschied nehmen auf Reisen

Für mich hat das Reisen einen riesigen Nachteil. Man muss immer wieder Abschied nehmen, nichts ist beständig. Man lernt Menschen kennen, die man nach kurzer Zeit schon in sein Herz schließt und die man bald wieder verabschieden wird. Ich werde mich an dieses Gefühl glaube ich nicht gewöhnen können.

Ich bin ein Mensch, der schnell neue Bekanntschaften in sein Herz schließt. Ich brauche Beständigkeit, Menschen um mich herum mit denen ich gemeinsame Erinnerungen teilen und neue Erinnerungen leben kann. Ich mag in zwischenmenschlichen Beziehungen keine halben Sachen. Wenn ich mich öffne und eine neue Freundschaft in mein Leben lasse, dann  mache ich das aus vollem Herzen. Aber wenn  man um die Welt reist, ist das oft schwierig. Denn der Zeitpunkt des Abschieds kommt. Immer. Von dem ersten Teil meiner Reise sind mir vier Abschiede in Erinnerung geblieben, die mir besonders schwer gefallen sind.

Abschied aus Brisbane

Das erste mal war der Abschied aus Brisbane. Von Brisbane weg zu fliegen bedeutete damals für mich, dass die Zeit in Australien nun vorbei war. Das erste Kapitel der Reise war beendet. Und ich hatte hier Menschen kennengelernt mit denen ich noch die halbe Nacht zusammen saß, weil uns allen der Abschied irgendwie schwer fiel. Als ich dann morgens um 4 Uhr aus dem Hostel geschlichen bin, um meinen Bus zum Flughafen zu erreichen, fühlte ich mich extrem einsam. Es war dunkel, ich war alleine und wusste genau, dass ich hier her niemals zurück kehren werde und somit auch die Menschen nie wieder sehen würde. Und selbst wenn: Es würde nie mehr sein, wie es war. Mir war den ganzen Morgen richtig übel, sodass ich sogar vom Busfahrer gefragt wurde, ob bei mir alles okay sei. Meine erste Konfrontation mit Abschied.

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Abschied von neuen Freunden in Christchurch

Der zweite Abschied, der schön aber nicht ganz einfach war, war der aus Christchurch. Wir waren dort nur 3 Tage aber haben so tolle Menschen kennengelernt. Wir sind in dieser kurzen Zeit zu einer Clique zusammen gewachsen mit eigener WhatsApp Gruppe und dem festen Ziel uns in Deutschland oder der Schweiz wieder zu sehen. Am Tag des Abflugs nach Auckland begleiteten uns unsere neuen Freunde wie selbstverständlich an den Flughafen. Es war wie Zuhause, wenn dich Freunde zum Flughafen bringen. Der Abschied fiel uns allen nicht leicht.

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Abschied von meiner Cousine in Auckland

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es ein komisches Gefühl ist, die Cousine nach über 7 Monaten wieder zu sehen und sich dann wieder verabschieden zu müssen auf unbestimmte Zeit, weil Sie Au Pair in Auckland ist und ich weiter um die Welt reise. Wir haben uns beide beim Abschied zusammen gerissen und waren tapfer aber ich war schon kurz davor ein paar Tränen zu vergießen. Familie ist immer noch das Wichtigste im Leben und der Abschied fiel mir sehr schwer.

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Abschied von meinen Reisepartnern in Singapur

Das mir dieser Abschied nach langer gemeinsamer Reise schwer gefallen ist, habt ihr in meinen Blogposts ja mitbekommen. Wenn man soviel zusammen erlebt und sich langsam so gut kennt und eine Freundschaft entstanden ist, fällt eine Trennung und das alleine Weiterreisen schwer. Bei allen Verabschiedung zuvor  habe ich tapfer gekämpft, hier konnte ich meine Emotionen nicht mehr zurück halten und es gab ein paar Tränen zum Abschied.

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Mittlerweile habe ich gelernt, besser mit diesen Situationen umzugehen, das heißt nicht, dass mir Abschiede nun nichts mehr ausmachen. Aber man lernt so viele Menschen auf Reisen kennen, man kann nicht mit jedem intensiv in Kontakt bleiben. Ein paar ganz besondere Menschen bleiben, wie im alltäglichen Leben auch. Ein Abschied muss nicht für immer sein, vor allem nicht in unserer heutigen flexiblen Welt.😊

Eure Nele😙

5 Comments »

  1. Sehr schöner Beitrag. Sei gewiss, es geht den anderen aus so wie dir beim Abschied. Ich hab schon ein paar Jährchen mehr am Buckel. Von manchen Menschen möchte man sich nie verabschieden, aber man muss. Das schöne ist, dass immer die Erinnerungen bleiben.

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