Tagebuch: Heimkommen

am

04.06.2017 kurz vor 9 Uhr morgens am Flughafen Zürich. Nach 5 Monaten kehre ich für ein paar Wochen zurück nach Hause.
Wie oft habe ich gelesen und gehört, dass Menschen, die nach einer langen Reise nach Hause kommen, in ein Loch fallen. Bei mir sind es ja nur 8 Wochen Zuhause, bevor das Reisen weitergeht, trotzdem hatte ich Angst davor. Das Wichtigste: Keine Erwartungen haben dann kann man auch nicht enttäuscht werden. Ich sehe noch genau vor Augen wie ich gestern mit meinen zwei Freunden, die ich auf der Reise kennengelernt habe und mit denen ich nach Hause geflogen bin, vor dem Exit des Flughafens Zürich stand und so aufgeregt war. Ich wusste: Wenn ich durch den Zoll laufe, dann beginnt ein komplett anderes Leben für ein paar Wochen. Das war mir klar und hatte ich ja bewusst so entschieden und trotzdem war es ein mulmiges Gefühl. Wie musste es dann erst denjenigen gehen, die nun wieder fest im Alltag ankamen, die eben nicht die Option hatten wie ich bald wieder weiter zu reisen. Ich habe schon ein paar Behördengänge vor mir für die paar Wochen aber ich hatte nicht den Druck mir eine Arbeit suchen zu müssen oder eine neue Wohnung.
Meine Mutter empfing mich in der Ankunftshalle des Flughafens. Ich habe mich sehr gefreut sie zu sehen aber emotional wurde ich nicht. Und selbst bei der Verabschiedung von meinen neuen Freunden, die mir nicht leicht viel, waren meine Emotionen verschlossen. Ich glaube mein Körper hatte noch gar nicht realisiert, was da vor sich ging. Meine Mutter wieder zu sehen und mit ihr in das Auto zu steigen war „normal“. Es kam mir nicht vor als sei ich über 5 Monate weg gewesen. Was ich etwas schade fand ist, dass leider keiner meiner Freunde zum Flughafen kommen konnte. Aber genau das ist was es immer wieder heißt: Für die Menschen Zuhause, die nicht reisen, geht das Leben und der Alltag weiter. Man darf nicht erwarten, dass alles nur auf deine Rückkehr gewartet hat und dafür alles stehen und liegen lässt. Wenn man sich das bewusst macht ist es völlig okay und gar nicht mehr so schlimm. Ich habe einige Nachrichten meiner Freunde bekommen: “ Willkommen Zuhause“ und viele Fragen nach einem Treffen, auch von Leuten, mit denen ich eigentlich nicht soviel zutun habe. Ein schönes Gefühl😊
Gestern habe ich dann erst einmal den ganzen Tag an meinem Fotoalbum gearbeitet. Ich konnte gar nicht mehr aufhören damit, weil es so eine Freude war, diese ganzen Erinnerungen wieder zum Leben zu erwecken. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich die nächsten Tage damit weiter mache.
Ansonsten fällt mir jetzt, nach nur einem Tag Zuhause so viel auf was ich schätze, was ich vermisst habe und was sich geändert hat.
Die erste Situation: Ich stehe an der Passkontrolle in Zürich und begrüße den Beamten mit „Hello“. Ich musste lachen und als ich ihm erklärt habe, dass ich mich erst wieder daran gewöhnen muss Deutsch zu sprechen, musste er auch grinsen und hat mir einen guten Start gewünscht.
Die zweite Umstellung war, als ich in das Auto meiner Mutter eingestiegen bin. Ich will mich anschnallen und suche den Gurt, links von mir. 😊 Tja das mit dem Auto fahren wird sicher noch eine große Umstellung. Morgen werde ich das erste mal wieder fahren, ich hoffe ich fahre richtig herum in den Kreisverkehr😊
Mit dem Jetlag ging es einigermaßen. Ich bin gestern um 9 Uhr abends ins Bett, da ich sehr müde war und um 4 Uhr nachts einmal aufgewacht. Aber insgesamt ist es absolut in Ordnung.
Heute morgen war es für mich eine absolute Freude mir meine Kleidung aus dem Schrank zu holen. Die Auswahl, die ich dort hatte- ein Traum. Und die Kleider nicht erst im Rucksack suchen, nicht voller Falten und schon 10 mal angehabt.Ich trage heute eine normale chillige Hose und ein einfarbiges Oberteil aber ich fühle mich pudelwohl. Wie eine Königin😊

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Ich genieße es wieder Wasser aus dem Wasserhahn trinken zu können, muss daran denken das Toilettenpapier wieder in die Toilette zu schmeißen, nicht in den Mülleimer. Ich musste heute Geld holen und erst einmal wieder in meinem Gehirn nach meinem Pin kramen, 5 Monate habe ich ihn nicht mehr gebraucht und auch die Euroscheine sehen irgendwie ungewohnt aus. Obwohl ich die letzten Wochen sehr gut hauptsächlich in Hotels oder privaten Appartements gelebt habe, da dies kostentechnisch in Asien möglich war, gibt es einiges, an das ich mich hier erst wieder gewöhnen muss.
Es ist gerade ein komisches Gefühl. Ein Leben zwischen zwei Welten. Einerseits schreibe ich noch mit Menschen, die ich auf der Reise kennengelernt habe und die teilweise noch unterwegs sind und die ich auch vermisse und wiedersehen möchte und dann sind meine Freunde hier, auf die ich mich unglaublich freue aber auch etwas aufgeregt bin wie es sein wird nach so langer Zeit. Und ich weiß ja, dass ich mich bald wieder trennen muss. Morgen werde ich zwei meiner engsten Freundinnen treffen, eine am Morgen und eine am Nachmittag. Ich kann jetzt schon den morgigen Tag kaum erwarten😊
Ich halte euch auf dem Laufenden, was die Zeit in Deutschland mit sich bringt.

Schönen restlichen Feiertag Ihr Lieben💛💛

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. JuMo sagt:

    Schöner Text 🙂 ich find heimkommen immer total schlimm, weil man irgendwie immer wieder weg will:D

    1. neleworld sagt:

      Danke dir für deinen Kommentar. Ja man lebt irgendwie zwischen zwei Welten 😊

  2. hallo:) ist ein total schöner artikel geworden. danke fürs teilen deiner emotionen..kann ich alles sehr gut nachempfinden, obwohl das längste das ich weg war nur zwei monate war;) alles liebe lisa…wohin geht es als nächstes

    1. neleworld sagt:

      Dankeschön liebe Lisa für dem tollen Kommentar😊 Erstmal bin ich etwas in Deutschland unterwegs, dann geht es nach Italien und Spanien bevor es nach Südamerika geht. LG Nele

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