Traumland Neuseeland: Interview mit einem einheimischen Kiwi

Endlich kann ich mal wieder etwas in meine liebste Kategorie schreiben: Die Begegnung mit Menschen. In Neuseeland durfte ich einen jungen Kiwi kennenlernen, der zuletzt ein paar Jahre in Berlin gelebt hatte, aber nun wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Auf unserer Autofahrt vom Arthurs Pass nach Christchurch hat er mir einige Fragen beantwortet und mir so einen ganz anderen Blick auf dieses Land ermöglicht. Viel Spaß beim Lesen 😊

Begegnung mit einem Kiwi

Ich sehe noch genau das Bild vor mir, wie Darren bei uns hinten im Auto sitzt mit seinen rötlichen Haaren und mit gutem Deutsch auf meine Fragen antwortet. Am Anfang war er noch etwas verhalten, aber mit der Zeit sprudelte es nur so aus ihm heraus. Man merkt wie sehr er „sein Land“ liebt und wie stolz er darauf ist, ein Kiwi zu sein.
Neuseeland ist das letzte Land, dass von Europäern entdeckt wurde und ist daher noch sehr jung in seiner Geschichte. Nach Ansicht von Darren spürt man in Neuseeland noch den Entdeckerspirit. Das Land ist noch in der Selbstfindungsphase, die neuseeländische Kultur kommt von alten Bauern und Farmern und erst langsam findet das Land immer mehr zu sich selbst. Neuseeland hat zum Beispiel noch viele Einflüsse aus England, was auch an der Flagge erkennbar ist. Bis 1950 gab es nur Nachrichtensprecher mit englischem Akzent, der neuseeländische Akzent war kaum zu hören. Laut Darren hat sich das alles erst vor 30 Jahren bemerkbar verändert. Aber auch jetzt spürt man noch Einflüsse aus anderen Ländern, es wird zum Beispiel hauptsächlich amerikanische Musik gehört.
Neuseeland ist eine vulkanische Insel. Australien ist wie der große Bruder, nur lautet und mehr amerikanisch.
Es gibt immer mehr junge Menschen die Maori sprechen. Vor 70 Jahren war das verboten aufgrund der europäischen Kultur hier. Maori Kinder haben zu dieser Zeit kein Maori mehr gesprochen. Das ändert sich jetzt wieder.

Leben in Neuseeland: Probleme und Vorteile

Ist denn das, was uns in den Maori Shows zum Beispiel in Rotorua an Tänzen etc. gezeigt wird authentisch? „ Ja absolut,“ bestätigt Darren.
Kehren viele junge Neuseeländer Ihrem Land den Rücken? Diese Frage musste ich mir und somit ihm stellen, weil er natürlich selbst derjenige war, der Neuseeland für einige Zeit verlassen hat aber auch, weil ich es gut nachvollziehen könnte. Neuseeland ist landschaftlich wunderschön aber die Städte haben nicht so viel zu bieten und sind relativ klein. Vielleicht zu langweilig für junge Leute? „Es gibt schon so eine Bewegung“, bestätigt mir Darren. „Aber die meisten jungen Menschen kommen wieder nach Neuseeland zurück, wenn Sie Ihre Abenteuerlust gestillt haben und die Schönheit der Natur wieder zu schätzen wissen.“
Trotzdem, Neuseeland sei kein Bilderbuchland, wie es Aussenstehende oft sehen. Es wird von Touristen oft durch eine rosarote Brille gesehen, sie denken es sei ein perfektes Land. Die Natur ist so schön, die Leute so nett etc. „ Aber es ist eine normale Kultur und auch wir haben Probleme“, sagt Darren.
Welche Probleme gibt es denn ? Das möchte ich jetzt natürlich von ihm wissen. „Soziale Probleme und Unweltprobleme,“ lautet seine Antwort. Es gibt ein großes Gefängnis und die Wasserqualität sei sehr schlecht. Eines der größten Probleme sei aber die Milchwirtschaft. Es werden für die Milchproduktion für China immer mehr Kühe gehalten. Die Anzahl der Kühe steigt, während die Anzahl der Schafe sinkt, zuletzt von ca. 80 Millionen auf nur noch 40 Millionen. Kühe sind wie man weiß aufgrund Ihres CO2 Ausstoßes nicht gut für die Umwelt.“ Aber das Geld winkt,“ erkennt Darren nüchtern. „Es muss ein Mittelweg gefunden werden.“
Trotzdem ist und bleibt Neuseeland einzigartig, auch für Darren. Man sieht ihm an, wie sehr er seine Heimat liebt.

Was ist an Neuseeland denn besonders im Vergleich zu anderen Ländern?
„ Das Besondere im Vergleich zu anderen Ländern ist die Natur. 1/3 von Neuseeland ist umweltgeschützt. Wir haben Wanderwege und keine giftigen Tiere. Ich finde das besonders. Keine Wanderung ist wie in Neuseeland, hier muss man nichts zahlen, das Wandern ist meistens kostenlos. Ich habe etwas Angst, dass sich das verändert, wenn der Tourismus immer mehr kommt,“ befürchtet Darren. „Aber es gibt viele Organisationen, die versuchen das zu verhindern und die dafür kämpfen die Umwelt zu schützen. Davon bekommen die Touristen aber nichts mit. Außerdem gibt es im Vergleich zu anderen Ländern keine Rechtsbewegung in der Politik.“ Dazu kommt, dass Neuseeland ein nuklearfreies Land ist. „ 1987 hat Neuseeland NEIN zu den Schiffen aus Amerika gesagt. So ein kleines Land sagt ‚Nein‘ zu Amerika, das muss man sich mal vorstellen,“ sagt Darren und grinst dabei stolz. Strom wird zu 80 % aus Wasserkraftwerken erzeugt.
Was sind die schönsten Stellen hier in Neuseeland? „Auf der Südinsel ganz klar die Westküste und Bay of Plenty.“

Darren freut sich, dass so viele Touristen in sein Land kommen und es lieben. Er hofft nur, dass Neuseeland sich dadurch nicht negativ verändert und seine Seele verkauft, sondern das wunderschöne Land bleibt, dass es ist.

Eure Nele

4 Comments »

  1. Hi Nele, wie immer bin ich total begeistert, insbesondere die Ansichten eines echten Kiwi zu erfahren ist super interessant. Die Touribrille ist halt immer im Vordergrund und so hat man beide Seiten. Danke für den tollen Beitrag und weiterhin viel Spaß und besonders schöne Momente.
    Gruß Jens.

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