Interview: Begegnung mit einem Schamanen in Kolumbien

Ich durfte ein spannendes Interview mit einer jungen Frau aus Kolumbien führen, die uns mehr über die Rituale der Schamanen und ihre persönlichen Erfahrungen erzählt.

Erfahrungsbericht: Begegnung mit einem Schamanen in Kolumbien

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Schamanen aufzusuchen? Wie bist du darauf aufmerksam geworden, dass es so etwas überhaupt gibt und was hat dich daran gereizt, das einmal auszuprobieren?

Also in Kolumbien, beziehungsweise allgemein in Südamerika, ist es bekannt, dass es diese Pflanze Ayahuasca gibt und dass es die Einheimischen dort nehmen um eine höhere spirituelle Ebenen zu erreichen. Ich habe zum Beispiel mitbekommen, dass sich speziell in Peru ein eigener Tourismuszweig daraus entwickelt hat. Besonders Menschen aus westlichen Ländern, nehmen diese Pflanze zu sich, weil diese sich oft etwas von der Natur entfernt haben oder das Gefühl haben, dass Sie von ihrem inneren Selbst entfernt sind aufgrund der materialistischen Welt. Ich habe schon sehr viele Menschen getroffen, die das genommen haben und dadurch hat sich bei mir das Grundinteresse entwickelt, da ich mich selbst auch viel mit Spiritualität beschäftige. Ich bin immer versucht mich persönlich zu verbessern und näher an mich heran zukommen, Selbstverwirklichung ist mir daher sehr wichtig. Also hauptsächlich durch Gespräche mit anderen bin ich darauf aufmerksam geworden. Anschließend habe ich mich dann im Internet darüber informiert, dort gibt es auch Youtube Videos oder Bücher, dadurch ist das Interesse immer mehr gewachsen.

Hattest du davor irgendwelche Bedenken und wenn ja, was waren das für Bedenken?

Ja ich hatte sehr sehr sehr sehr viele Bedenken. Die Einheimischen in Kolumbien sehen das alles oft sehr kritisch, nennen es oft den Alkohol der Indigenas. Sie glauben nicht, dass es einen spirituellen Zweck erfüllt oder eine Medizin ist, sondern dass es eine Droge ist, die dich in halluzigene Zustände versetzt. Also dass es nichts Gutes ist. Es wird einem auch Angst gemacht, besonders von den Einheimischen, dass schon viele Leute daran gestorben sind, was auch wirklich passieren kann, da sich die Herzfrequenz extrem stark erhöht. Wenn man dann Blutdruckerkrankungen hat, kann es schon gefährlich werden oder auch, wenn man davor andere Substanzen genommen hat, die sich mit der Pflanze nicht vertragen oder wenn der Schamane es nicht gut mischt kann es gefährlich werden. Und natürlich ist man mit der Substanz auch in einem Zustand, in dem man keine Kontrolle hat. Es gibt hier auch Vergewaltigungsgeschichten und so weiter, da muss man wirklich gut drauf achten. Ansonsten weiß man auch nicht, was mit einem emotional passiert, es ist ja schon eine Medizin oder Droge, es gibt zum Beispiel auch Leute, die davon nicht mehr zurückgekommen sind.

Werden davor dann irgendwelche medizinischen Tests gemacht oder Blutdruck gemessen etc. von dem Schamanen, damit er zumindest körperliche Vorerkrankungen ausschließen kann?

Nein, man muss hier sehr viel Selbstverantwortung tragen, weil es ja nichts Offizielles ist. In den meisten Fällen ist es kein offizieller Mediziner. Es wird gefragt, was für Medikamente man nimmt oder ob man Vorkrankungen hat. Der Schmanane hat während der Prozedur immer mal wieder an verschiedenen Stellen den Blutdruck gemessen oder schaut ob das Gesicht blass ist, jedoch alles ohne die typischen medizinischen Geräte.

Die Wahl des richtigen Schamanen

Wie hast du dir deinen Schamanen in Kolumbien ausgesucht? Wie hast du dich informiert, ob er vertrauenswürdig ist?

Mir war es wichtig, dass ich irgendwo hingehe, wo schon einmal jemand war, den ich kenne, der damit Erfahrung hatte. Dann habe ich eine Person kennengelernt, die schon sehr viele Erfahrungen mit Ayahuasca gemacht hat und schon bei verschiedenen Schamanen war in Südamerika und habe mit dieser Person geredet. Er hat mir den Schamanen empfohlen, bei dem ich letztendlich war.

Für mich war bei der Auswahl wichtig, einen Ort zu finden, den ich schön finde. Man stellt sich das immer so vor, dass die alle noch im Dschungel leben und kein Handy haben usw. aber die Meisten sind sehr zivilisiert und sind per Handy oder Facebook erreichbar. Dann habe ich mit denen geschrieben und habe auf Vertrauensbasis entschieden, wo ich mich am meisten wohl gefühlt habe bei den Vorgesprächen

Hattest du, bevor es angefangen hat, das Gefühl: Ok ich mach das jetzt doch nicht. Oder kamen kurz vorher nochmal Zweifel?

Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn man Dinge macht, aber sich gar nicht wirklich bewusst ist, dass man Sie macht, weil Sie einfach zu krass sind. Genau dieses Gefühl hatte ich. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich das machen muss oder auch unbedingt machen will, aber ich hatte so Schiss, dass ich das gar nicht so richtig wahrgenommen habe. Ich habe immer gedacht; Ich kann es ja noch jederzeit abbrechen. Als ich zu dem Ort gefahren bin und im Bus saß, dachte ich : Ok ich kann jetzt ja nochmal umdrehen, ich muss es ja nicht machen. Als ich in der Finca angekommen bin, habe ich mir auch gedacht, ich bin jetzt da, aber ich muss es ja trotzdem nicht machen. Aber ich wurde da dann sehr gut betreut und der Schamane ist schon mittags mit mir rumgelaufen und hat mir die Natur um mich herum gezeigt und hat mich quasi keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Im Endeffekt waren wir dann in der Hütte und er hat mir noch was erklärt und es ging dann schon direkt los mit den Vorbereitungen. Da war gar nicht mehr die Zeit die Angst zu entwickeln und einen Rückzieher zu machen.

So läuft der Besuch eines Schamanen in Kolmbien ab

Ok dann erkläre uns mal genau, wie das alles abgelaufen ist.

Ich fange an mit den Vorbereitungen, die nachmittags schon angefangen haben. Wir saßen in dieser typischen Indigenas Hütte, die aus Bambus und Stroh gebaut war. In der Mitte war ein Feuer und an den Seiten Bänke. Ich hatte dann da eine Isomatte. Zur Vorbereitung habe ich dann verschiedene Sachen zu mir genommen, da war immer Tabak dabei. Tabak durch die Nase, einmal auf der Zunge, einmal Tabakwassser trinken, da ging es dann auch los mit der Körperreinigung und ich musste mich übergeben. Da hab ich dann auch gemerkt, wie mein Herz immer schneller wird so auf 180 langsam geht, das war dann die körperliche Vorbereitung über Stunden hinweg ab dem Nachmittag. Kurz bevor es losging wurde ich dann alleine gelassen, um zu reflektieren und zu Ruhe zu kommen. Dann kam der Schamane und hat den Drink zusammengemixt, der aus Ayahuasca besteht. Ayahuasca ist eine Pflanze, die es in Südamerika gibt, hat DMT drinnen, dieses wird bei der Geburt und beim Tod vermehrt ausgeschüttet und hat aber sonst im Leben einen geringen Anteil im Körper. Durch dieses Ayahuasca wird das DMT eben auch in hohen Mengen ausgeschüttet, deshalb wird es auch oft mit einer Nahtoderfahrung verglichen. Dann gibt es noch eine andere Pflanze, da sind MAO Blocker drin, aber die Blocker sorgen dafür, dass das DMT nicht abgebaut wird, weil es normal nach 20 min im Körper abgebaut wird. Genau und dann kam der Schamane mit dem gemixten Drink und hat ein Gebet gesprochen, dass die Medizin mich beschützt und mir zeigen soll, was ich wissen will. Das Getränk musste ich dann exen, das hat sehr ekelhaft geschmeckt so ein bisschen wie verdorbener Rotwein. Dann habe ich noch Minze in die Hand bekommen, um daran zu riechen, damit mir nicht schlecht wird. Es ist wichtig, dass man sich in der ersten halben Stunde nach dem Trinken nicht übergibt. Deshalb tief einatmen und immer wieder an der Minze riechen.

Dann interessiert uns jetzt natürlich wie es dir emotional während der Behandlung erging.

Während der ersten Stunde habe ich gar nichts gemerkt. Dann irgendwann ging es los, dass ich die Hütte nicht mehr ganz so wahrgenommen habe. Alles war verschwommen und hatte keine Form mehr. Dann dachte ich HILFE und habe die Augen zumacht. Dann waren ganz viele bunte Muster und ich bin durch einen Tunnel gefahren und so weiter. So wie man sich eine Pilzerfahrung vorstellt. Irgendwann hat man dann den Bezug zu seinem Körper verloren. Ich habe ein Bild gesehen, wie mein Körper verbrennt und hab den Körper nicht mehr wahrgenommen.

Dann habe ich ab und zu die Augen aufgemacht, dir ist während der ganzen Zeremonie ziemlich schlecht. Irgendwann hatte ich gar kein Bezug mehr wo ich überhaupt war, ich war irgendwie weit weg. Habe verschiedene Bilder gesehen, z.B war ich in einer Fabrik, in der Männchen waren und mich durch Räume transportiert haben. Es waren immer bunte Fantasiefiguren mit mehreren Augen und Beinen und verschiedene Szenen die einem an positive oder negative Dinge aus dem eigenen Leben erinnert haben. Hier kamen dann auch die dementsprechenden Emotionen hoch. Man hat dann teilweise auch geschrien oder gelacht, man hat es selbst nicht bewusst gesteuert.

Kamen da auch Dinge aus der Vergangenheit hoch?

Ich glaube schon. Wie gesagt ich hatte nie direkt Szenen vor den Augen, aber gewisse Bilder, haben mich an Dinge aus der Vergangenheit erinnert bzw. ich habe das für mich selbst so interpretiert. Was ich daraus lernen kann oder was für einen Bezug es für mich hat. Also es kommen Dinge aus der Vergangenheit in Form von abgewandelten Bildern hoch.

Wie ist man dann wieder aus diesem Trip zurückgeholt worden?

Lässt die Wirkung automatisch nach?

Ich habe Unterschiedliches gehört, wie lange so ein Trip dauert. Bei den meisten war es zwischen 2 und 8 Stunden, bei mir waren es 8 Stunden. Die Wirkung lässt dann irgendwann nach. Mir kam es mir eher plötzlich vor. Ich war noch mitten im Geschehen, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich eine wichtige Erkenntnis gemacht hatte, da kam ich dann auf einmal wieder zurück. Ich wusste dann wieder, dass ich in dieser Hütte bin, die Hütte sah aber ganz anders aus. Ich habe die Umwelt wieder mehr wahrgenommen, aber die Hütte war noch voller Farben und Schmetterlingen und Kinder sind rumgerannt und ich war total glücklich und habe gesungen. Ich wusste wo ich bin und was ich mache. Dann ging es aber nochmal eine ganze Weile bis ich richtig da war.

Als du wieder richtig wach warst, bist du dann zeitnah nach Hause gegangen?

Ich war dann in dieser Hütte und als es hell wurde bin ich auf mein Zimmer gegangen und habe dort eine Weile verbracht. Da hab ich dann auch Essen bekommen und war da dann aber nochmal eine ganze Nacht bis es mir besser ging. Am nächsten Morgen bin ich dann zurück geflogen

Das ist jetzt einige Monate her. Was ist deine Erkenntnis im Nachhinein? Hast du daraus einen Nutzen gezogen?

Ich habe einen sehr großen Nutzen daraus gezogen. Wie gesagt die Erfahrung an sich war eigentlich nichts Schönes. Aber der Nacheffekt ist sehr groß. Ich denke jetzt teilweise noch darüber nach und mir kommen wieder Ideen, Interpretationen und so weiter. Ich habe mich davor ja auch schon viel mit Spiritualität beschäftigt, habe verschiedene Bücher gelesen und meine Familie war sehr religiös früher und hat sich viel mit der Bibel und der Kirche beschäftigt. Da habe ich sehr viele Parallelen entdeckt. Das was ich gelernt habe, hat viel damit zu tun, was auch religiöse Bücher lehren.

Um Einiges zu nennen: Das man weg von seinem eigenen Ego kommt. Das Ego schützt vor schlechten Erfahrungen ist aber auch ein Großteil dafür verantwortlich, dass wir leiden. Weil wir eben nichts so akzeptieren, wie es gerade ist, sondern immer das haben wollen, was wir nicht haben.

Die Bibel lernt auch Gott ist größer und hat alles in der Hand, das man selbst nicht viel zu sagen hat und sein eigenes Ego zurücknehmen soll. Das habe ich von der Pflanze gelernt. Oder auch die schlechten Dinge, die ich da gesehen habe, waren Dinge, die von meinem eigenen Ego kamen.

Hat sich also deine Einstellung zu manchen Dingen durch diese Erfahrung verändert?

Ja. Ich habe schon oft viele Dramen und negative Dinge erlebt und die Schuld dann bei Anderen gesucht usw. Durch das wurde mir klar, dass das alles eine Sache der Perspektive ist, wie man selbst auf Dinge reagiert und manche Dinge nicht so wichtig sind. Vieles ist von der Natur gelenkt, manchmal muss man Dinge hinnehmen und akzeptieren und trotzdem zufrieden sein mit dem, was man hat.

Schöne Erkenntnis.

Am Schluss würde ich gerne noch ein Fazit wissen und Tipps für interessierte Leser.

Ein paar Schlussworte.

Also wie gesagt aus Ayahuasca hat sich ein ziemlich großer Touristenzweig entwickelt besonders in Peru. Da gibt es auch viel Abzocke, Leute die 500 Dollar dafür zahlen. Ich habe 40 Dollar gezahlt. Der Preis war echt angemessen. Manche Schamanen wollen nur abzocken. Darauf achten, dass der Schamane vertrauenswürdig ist. Ansonsten ist es wichtig, dass man mit einem gesunden Geist hingeht, in einem guten psychischen Zustand und auch die Vorbereitung ist sehr wichtig. Eine Diät. 3 Tage davor kein Fleisch, keine Milchprodukte, nichts Schweres, keine Säuren, kein Sex, sich so wenig wie möglich mit Handy, Computer und so beschäftigen. Meditieren, runterkommen, relaxen. Weil der Körper muss gereinigt werden. Ganz wichtig: Kein Alkohol, keine Drogen, keine Zigaretten. Man sollte ohne Erwartungen hingehen. Das ist das, was man auch draus lernt, nichts erwarten, alles auf dich zukommen lassen.

Vielen Dank für das tolle Interview und die interessanten Einblicke. Weiterhin alles Gute und viele neue tolle Erfahrungen auf deinen Reisen.

Dankeschön.

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