Fluggastrechte: Entschädigung bei Flugverspätungen

Was viele Reisende nicht wissen: Bei einer Flugverspätung ab einer Dauer von zwei bis drei Stunden (je nach Entfernung zwischen Start und Zielort, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden), kann man von der Fluggesellschaft eine Entschädigung fordern, zumindest, wenn man mit einer europäischen Airline fliegt. Geregelt ist das im Fluggastrecht, der Verordnung EC 261/2004. Viele wissen das nicht.

Auch ich selbst habe mich mit dem Thema nie groß auseinandergesetzt, bis ich bei meiner Reise nach Barcelona davon betroffen war. Zu meinem Glück hatte ich kurz zuvor im TV einen Beitrag im TV über dieses Thema gesehen und wusste, welche Rechte ich geltend machen kann.

Das Gute an der Sache: Die Ansprüche auf Entschädigung bei einer Flugverspätung kann man bis zu zwei Jahre nach der betreffenden Reise noch geltend machen. Die Vorraussetzung dafür ist natürlich, dass man noch nachweisen kann, dass der Flug auch wirklich Verspätung hatte.

Außerdem ist in dem Fluggastrecht geregelt, dass die Fluggesellschaft ab der oben genannten Verspätungsdauer, die Passagiere mit Essen und Trinken zu versorgen. Wenn die Verspätung länger dauert oder über die Nacht geht, zum Beispiel auch bei einer  Flugannulierung, ist sie außerdem verpflichtet, für eine Möglichkeit der Telekommunikation zu sorgen und gegebenenfalls auch ein Hotelzimmer inkl. Transfer zur Verfügung zu stellen. Diese Leistungen ersetzen aber keine finanzielle Entschädigung bei Flugverspätung und sind unabhängig davon zu leisten. Das heißt eine Entschädigung kann danach vom Fluggast trotzdem noch gefordert werden. Wie hoch die finanzielle Entschädigung ausfällt, ist ebenfalls in der Verordnung geregelt.

Zusätzlich dazu kann man auch noch Schadensersatz geltend machen, wenn durch die Verspätung zusätzliche Kosten angefallen sind, wie zum Beispiel eine gebuchte Tour nicht realisiert werden kann, ein Hotel für eine Nacht bereits bezahlt wurde und so weiter. Auch Quittungen von Taxifahrten aufbehalten und versuchen als Argument nachzureichen.

Die genauen Regelungen und Gesetzesauszüge findet ihr auf Wikipedia.

 

Wie beantrage ich eine Entschädigung bei Flugverspätung?

Die meisten Fluggesellschaften bieten auf Ihre Homepage bereits Formulare an, die man bei einer Flugverspätung einreichen und ausfüllen kann. Sollte dies nicht der Fall sein, dann solltet ihr eine Mail mit den genauen Angaben zu dem verspäteten Flug verfassen. Wer Hilfe bei der Einreichung eines Formulars zur Entschädigung braucht, findet auch im Internet viele Anbieter, die bei der Abwicklung einer solchen Reklamation behilflich sind. Bei Langstreckenflügen und hohen Geldbeträgen schalten auch viele Reisende einen Anwalt ein. Ich halte das nicht für sinnvoll. Das Einreichen der Formulare ist nicht schwer, die dafür relevanten Daten findet ihr auf euren Flugpapieren. Wichtig ist, dass ihr euch nicht abwimmeln lasst. Obwohl es das Gesetz für das Recht auf Entschädigung bei Flugverspätung gibt, versuchen die Gesellschaften natürlich, die Forderungen abzuwenden. Oft bekommt man einen zu niedrigen Geldbetrag genannt oder erst einmal gar keine Antwort. Lasst euch nicht abwimmeln! wahrscheinlich hoffen viele Gesellschaften, dass man mürbe wird und wegen ein paar „Euro“ den Fall auf sich beruhen lässt. Aber das Geld steht euch zu, auch wenn es „nur“ 50 Euro sind. Fordert eure Rechte ein 🙂  Es ist wichtig dran zu bleiben und die Fluggesellschaft immer mal wieder in angemessenem Abstand auf eure Mail hinzuweisen. Wer sich nicht meldet, wird vergessen. Nur wer Druck macht, bekommt sein Recht.

 

Meine Erfahrung mit Entschädigungen bei Flugverspätungen

Ich habe bisher zweimal die  Erfahrung gemacht, dass mir aufgrund einer Flugverspätung eine Entschädigung zustand. Das erste mal war 2016 bei meiner Reise von Barcelona nach Lissabon. Der Flug hatte über drei Stunden Verspätung. Rechtlich eine klare Sache. Nach meiner Rückkehr habe ich bei der betroffenen Fluggesellschaft sofort den Antrag auf Entschädigung ausgefüllt. Eine Reaktion kam sehr lange nicht. Nachdem ich noch 1-2 mal freundlich auf meine Mail hingewiesen habe, jedoch wieder keinerlei Reaktion zurückkam, drohte ich bei meiner dritten Mail mit einem Anwalt. Zwei Tage später war das Geld auf meinem Konto. Mir wurde die gesetzlich geregelte Summe gezahlt, die höher lag als der eigentliche Flugpreis. Somit war der Flug für mich quasi umsonst und das dran bleiben hat sich gelohnt.

Beim zweiten Mal hatte ich leider nicht so ein Glück. Hier flog ich allerdings auch mit einer lateinamerikanischen Fluggesellschaft innerhalb von Mittelamerika. Das EU-Recht hat dort natürlich keine Handhabung. Ein Versuch war es trotzdem wert aber letztlich wurden unsere Mails einfach ignoriert und trotz Druck unsererseits, wurde auf die  Forderungen nicht eingegangen. Aber wie gesagt, Lateinamerika ist da natürlich eine andere Hausnummer.

Hoffentlich konnte ich euch mit dem Artikel helfen, eure Rechte als Fluggast besser zu verstehen und im Falle einer Flugverspätung für eure Entschädigung zu kämpfen.

 

Eure Nele

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. sommertage sagt:

    Ich persönlich halte in den meisten Fällen von Entschädigungszahlungen recht wenig. Technische Probleme können immer auftreten. Da ist es mir lieber, das Flugzeug bleibt am Boden. Wenn sich die Fluglinie die Entschädigungszahlungen aber nicht leisten will, hebt sie im Zweifel vielleicht doch ab…
    LG,
    Romeo

    1. neleworld sagt:

      Lieber Romeo, danke für deinen Kommentar.☺ Interessanter Ansatz. Ich hoffe nicht, dass Fluggesellschaften so denken und Profit über Sicherheit geht. Ich kenne mich mit den Abläufen an Flughäfen nicht aus aber in so einem Fall kann man doch sicherlich innerhalb der 3 Std in denen man noch keine Entschädigung zahlen muss, eine Ersatzmaschine organisieren….. Auf jeden Fall ein guter Input deinerseits. Danke dafür ☺

  2. Letztes Jahr Rückflug abends 21 Uhr von Lanzarote nach Stuttgart. Nach ca. 1 Std. Flugzeit Druckausgleich im Flugzeug ausgefallen. Pilot musste in Mallorca notlanden. Fluggesellschaft bezahlte 1 Nacht im Hotel in Mallorca. Nächster Tag Rückflug mit Ersatzflieger von Mallorca nach Stuttgart. Kosten wurde alle übernommen aber Stress haste trotzdem. Reklamationsschreiben an Codor geschickt und 150.-Euro Schadensersatz nach 2 Wochen bekommen. War also sehr kulant !!!!

    1. neleworld sagt:

      Da hattest du echt Glück und die Fluggesellschaft hat im Interesse aller Beteiligten schnell reagiert. Aber oft ist es schon so, dass Sie auf die Unwissenheit der Kunden setzen, oder eben darauf dass man aufgibt, wenn es nicht so einfach ist. Das finde ich schade. Jeder Fluggast hat seine Rechte. Schönen Freitag dir 🙂 Nele

      1. Ja genau ich glaube da haben sich nachher nicht viel bei condor gemeldet aber wir haben es einfach versucht und wurden positiv überrascht

      2. Oh ebenfalls schönes wochenende

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